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Erst dachte ich, das Stück einer Algenpflanze treibe da auf mich zu. Dann meinte ich, es als ein winzigkleines, geflügeltes Insekt zu erkennen, das auf der Wasseroberfläche dahin trieb und alle Versuche, sich gegen das Ertrinken zu retten, bereits aufgegeben hatte. Vielleicht war es ja schon zu spät für dieses Leben.

Merkwürdig, wie viele Fragen einer in Sekundenbruchteilen durch den Kopf gehen: Wie ist das nur hierher geraten? Hat sich vielleicht weit hinausgewagt und nicht zurückgefunden? Ist es einer Möwe aus dem Schnabel gefallen und abgestürzt, mitten hinein in die Bucht, in den Atlantik? Wird untergehen, das zarte Geschöpf, wenn ich es nicht rette.

Ich versuche, so wenig zusätzliche Bewegung ins Wasser zu bringen wie möglich, als ich mich dem Tier entgegenschiebe, um es vorsichtig herauszuheben. Und da liegt es zunächst ruhig, gewichtslos und durchscheinend in meiner Handfläche, um dann doch die Flügel zu bewegen. Es lebt.

Jetzt erst erkenne ich: die Flügel sind Flossen. Im habe einen Fisch in der Hand, der mich anschaut und mir deutlich zeigt: Du hast mich ins falsche Element hinein gerettet.

Dann gleitet er aus meiner Hand wieder ins Wasser zurück, umkreist mich mit gewisser Neugier und erstaunlicher Furchtlosigkeit. Er sieht gar nicht mehr so hilflos aus wie er mir erschien, als ich noch dachte, er sei ein in der Weite des Ozeans verlorenes Insekt.

 

 

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Fotos: Tiny Winged Being I,II,III, 2020 by Barbara Stock

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